Stoppt eine weitere Bausünde in der Herzogenauracher Innenstadt!

In den 60er Jahren ist mit dem derzeitigen Rathaus ein unattraktiver Bau entstanden – mit dem geplanten Rathaus-Neubau und „Bürgerzentrum“ auf dem Hubmann Parkplatz-Areal wird dies im 21. Jahrhundert meiner Meinung nach wiederholt. Jedoch war das alte Rathaus 1967 mit 2,19 Millionen DM (!) Baukosten fast ein Schnäppchen – heute möchte unser Stadtoberhaupt 60 Millionen Euro + X Euro für eine Wiederholung ausgeben.

Vor 1 ½ Wochen wurde bekannt, dass ein möglicher alternativer Standort – das „alte“ PUMA Verwaltungsgebäude in der Würzburger Straße – für einen unteren zweistelligen Millionenbetrag an einen Immobilienentwickler in Fürth verkauft worden ist.

Wie mir PUMA bestätigte, hat sich die Stadt Herzogenaurach als möglicher Käufer vor dem Verkauf aus den Verhandlungen zurückgezogen. Dass eine Verlagerung des Rathauses in den Innenstadtbereich Würzburger Straße theoretisch möglich gewesen und nach Meinung unserer Stadtführung nicht in Frage gekommen wäre, wurde der Bevölkerung nicht mitgeteilt. Wenige Tage nach dieser Nachricht wurde jedoch angekündigt, dass der  PUMA Glasbau als „Ausweichquartier“ für Rathaus und Stadtbücherei in Betracht gezogen wird.

Die Stadt Herzogenaurach lässt sich also ein 10.800 qm großes Grundstück, dass sie fast zu einem Schnäppchenpreis erwerben hätte können, durch die Lappen gehen. Dafür wird ein Rathaus und Bürgerzentrum für geschätzt 60 Millionen Euro +X am derzeitigen Standort gebaut.

Das Argument des Stadtoberhauptes, dass das PUMA Gelände 2 1/2 mal zu groß für ein Rathaus und Bürgerzentrum sei, mutet grotesk an und kann in keinster Weise nachvollzogen werden. Denn wenn nicht der gesamte vorhandene Platz für Rathaus und Bürgerzentrum / Bücherei erforderlich ist, hätten Teilbereiche vermietet und somit die effektiv auftretende finanzielle Belastung reduziert werden können.

Wie sollen wir Bürger verstehen, was hier entschieden wird? Eine 4-5 jährige Miete für Millionenbeträge für die temporäre Auslagerung des Rathauses & Bücherei, dann ein weiterer Umzug, der wiederum Kosten verursacht? Von den Zeiten, in denen die Stadtverwaltung und die Bücherei der Öffentlichkeit nicht oder nur temporär zugänglich ist, ganz zu schweigen. Macht das Sinn? In finanzieller und logistischer Hinsicht?

Wenn man – wie ich – als Neubürger in die Stadt hineinhört, dann winken alle Menschen, die ich anspreche, beim geplanten Rathaus – und Bürgerzentrum-Neubau ab und betiteln das ganze schier als Größenwahn. Auch können sie nicht nachvollziehen, warum einer der schönsten Teile von Herzogenaurach zugunsten eines modern-nüchternen Neubaus geopfert werden soll. All das zudem ohne Rücksichtnahme und Beachtung der Richtlinien der bestehenden Innenstadtverordnung, auf deren Einhaltung seitens der Stadtverwaltung bei allen „Normalbürgern“ sehr penibel geachtet wird.

Auch die Ergebnisse mehrerer Umfragen über die von mir betriebene Facebook – Seite Mein Herzogenaurach zeigen, dass die Mehrheit der Bürger/-innen gegen den Rathaus- und Bürgerzentrum-Neubau sind.

Aktuelle Umfrage, die bis 19.07.2017 12 Uhr läuft:
„Mein Herzogenaurach Umfrage zum geplanten Bürgerzentrum auf dem Hubmann-Parkplatz“

Jetzt hier an der Umfrage teilnehmen: 

Ich habe seit Monaten den Eindruck, dass es die gewählten Bürgervertreter (Bürgermeister & Stadträte) nicht interessiert, was die Bürger/-innen wollen. Die Opposition der CSU ist mehr eine „Große Koalition“ als eine Opposition. Mich beschleicht der Eindruck, dass Wortbeiträge in öffentlichen Stadtratssitzungen quasi ein Alibi darstellen. Oder sind hier bereits aufkeimende Zweifel an vorangegangenen Beschlüssen zu erkennen? Noch wäre es nicht zu spät, die Reißleine zu ziehen.

Das Rathaus aus den 60iger Jahren sollte auf jeden Fall abgerissen und das Schloss zu einem Raum für Geschäfte/ Gründer und Kultur umgestaltet werden– auch den Schlossgraben würde ich nicht verkleinern, sondern vergrößern und so Raum für Gastronomie, Kultur, Konzerte und Begegnungen schaffen.

Die derzeitig geplanten Baumaßnahmen werden meiner Meinung nach den örtlichen Einzelhandel und Gastronomie in der Innenstadt dauerhaft massiv schädigen – wird es 2023 nur noch eine Verwaltung in der Herzogenauracher Innenstadt geben? Ist das lebenswert? Trägt das zu einer Steigerung der dringend erforderlichen Attraktivität der Innenstadt bei?

Auch blendet meiner Meinung nach das Stadtoberhaupt die Veränderungen, die sich zwangsläufig durch Digitalisierung und E-Mobilität ergeben werden bei der Planung vollkommen aus – ich habe den Eindruck es muss einfach nur viel kosten und groß sein.

Es fehlt jegliches zeitgemäßes (!) und zukunftsorientiertes Denken und Handeln. Zudem wird sich die Stadt Herzogenaurach durch die Bauvorhaben massiv und in noch nicht genau zu beziffernder Höhe verschulden müssen, wie es unser Stadtoberhaupt bereits in der letzten Stadtratssitzung selbst bestätigt hat. Denn es stehen zusätzlich zum Rathaus- / Bürgerzentrum noch weitere Bauvorhaben an – siehe z. B. die Südumgehung für geschätzte 35 Mio €, eine Stadthalle für 12 Mio. €, bei der bereits jetzt feststeht, dass sie ein Verlustbringer sein wird usw. usw. Hier bleibt jegliches Wirtschaftlichkeitsdenken zugunsten von Prestigebauten auf der Strecke!

Außerdem scheint ein wesentlicher Faktor bei der Finanzkalkulation völlig außer Acht gelassen worden zu sein:

Durch die veränderten Rahmenbedingungen der Digitalisierung und E-Mobilität werden sich die Gewerbesteuereinnahmen massiv nach unten bewegen.

Aktuelle Informationen zu den Veränderung in der Automobilindustrie:

Merkel sieht schwarz: Die Autoindustrie wird in ihrer heutigen Form nicht überleben: https://goo.gl/Q3Ev6U

Gefahr für den Wirtschaftsstandort – Deutschland vor dem Abschwung: https://goo.gl/VLKp7H

Ich stelle als Herzogenauracher Bürger und Unternehmer den öffentlichen Antrag, dass die Entscheidung über die Bebauung des Hubmann-Parkplatzes auf einen Termin nach der Urlaubszeit im September 2017 für eine Bürgerbefragung vertagt wird.

Die Stadträte der FDP, Freien Wähler, Grüne und SPD sollen sich für eine Investition in ungewisser Höhe, aber mit einer Untergrenze von 60 Millionen Euro entscheiden, ohne sich sicher zu sein, dass sie im Sinne und Auftrag der Bürger handeln. Das erweckt in mir den Eindruck, dass die Verantwortung auf den Stadtrat abgeschoben werden soll.

Ich bin sehr gespannt, wie die Antwort aller verantwortlichen Politiker/-innen auf meinen Antrag ausfallen wird.

 

Bernd Gillich
in Zusammenarbeit mit Birgit Jentsch

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2 Gedanken zu „Stoppt eine weitere Bausünde in der Herzogenauracher Innenstadt!

  1. Stoppt diesen Wahnsinn. Der Schloßgraben wird total zerstört. Jahrhunderte alte Bäume gefällt für diesen Größenwahn.
    Bürgerbegehren jetzt!

    1. Servus Norbert,

      bin ich absolut deiner Meinung – wir sollten morgen alle bei der Stadtratsitzung Vorort sein – eine Bürgerinitiative für den Erhalt unseres Schloßgrabens sollten wir gründen.

      Bürgerbegehren jetzt!

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